Wo die Millionäre schwitzen

Barack Obama womöglich ins Schwitzen gebracht zu haben – wer kann das schon von sich behaupten? Bernd Erdmann aus Weischlitz zum Beispiel. In den Luxus-Saunen, die der Vogtländer in seiner Werkstatt fertigt, schwitzen sich die Schönen und Reichen dieser Welt gesund. Zwei solcher exklusiven „Schwitzkästen“ zeigt der 53-Jährige heute und morgen zur „Schau auf Design“ in Plauen.

Erdmann Sauna Vogtland Anzeiger
Sean Paeth ist Tischler-Lehrling (vorn) bei Bernd Erdmann.
Zusammen mit dem Chef packt er das Sauna-Equipment für „Schau auf Design“ zusammen. Mit einem großen Stand präsentiert sich die Weischlitzer Firma ab heute dort. Fotos: cze

Elf Saunen hat Bernd Erdmann allein im Hotel „Adlon“ am Brandenburger Tor eingebaut, drei davon in Präsidentensuiten. Und genau dort ist Obama, 2008 noch Präsidentschaftskandidat, ab gestiegen. Ob er, der damals nur 24 Stunden in Berlin weilte, Muse hatte, um zu saunieren und relaxen, ist nicht gewiss. Bernd Erdmann würde es sich aber gerne so vorstellen. Staatsmänner, Multimillionäre, erfolgreiche Unternehmer, Prominente: Wer es sich leisten kann, bestellt eine Wellness-Oase bei „Exklusive Saunen“, dem Familienunternehmen aus Weischlitz mit gerade mal einem Dutzend Beschäftigter.

In die Sauna gehen, ist für den Firmenchef mehr als nur Schwitzen. „Ich möchte alle Sinne ansprechen, mit Farben, Düften, Klängen“, so Bernd Erdmanns hoher Anspruch, der bei einem Rundgang durch den Show-Room an Erdmanns Firmensitz an der Taltitzer Straße erlebbar wird. „Mit Holz zu arbeiten, das habe ich immer geliebt“, verrät Erdmann, der schon als Kind an allerlei Wurzelwerk herumschnitzte und später, als junger Mann, das wurde, was seine Bestimmung war: Holzbildhauer. Als solcher hat er sich seit 1993 dem Sauna-Bau verschrieben und findet dort eine schier unerschöpfliche Spielwiese, um sich innenarchitektonisch auszutoben.

Erdmann nimmt Anleihe an verschiedenen Baustilen, architektonischen Einflüssen und Kulturen. Ein echter Hingucker ist ihm mit einer Sauna gelungen, die äußerlich einem Sakralbau von Antoni Gaudí gleicht. Verspielt, bunt, verziert mit Mosaiken, Kacheln und Goldoptik. Von Barcelona geht es nach Asien. Öffnet man den mit Papier bespannten Paravent – in Japan Shoji genannt – tritt man ein in eine Welt fernöstlicher Klangschalen und Düfte. An der Wand ein Schriftzeichen, das Bernd Erdmann mit „Schönheit“, der Devise in diesem Schwitzraum, übersetzt. Rustikale Stämme von Kelo-Holz, das den Weg von Skandinavien ins Vogtland angetreten hat, wurde in einer finnischen Sauna verarbeitet.

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Anleihe bei Antoni Gaudí hat Bernd Erdmann beim Entwurf dieser katalanischen Sauna genommen. Der Sitz, besetzt mit Mosaiksteinen, ist übrigens beheizt.

Wie ein Wellness-Gott persönlich muss sich der fühlen, der in einer runden Steinwanne relaxt, von farbigen Lichtern beschienen. Von oben fällt ein Wasserregen auf den Badenden. Auf einem großen Flachbildschirm erscheinen beruhigende Bilder von Sonnenuntergängen, springenden Pferden und schönen Menschen. Rustikal. Romantisch. Extravagant. Futuristisch. Schlicht. Sportlich.

Erdmann Sauna Vogtland Anzeiger
links: Wellness für alle Sinne: Licht, Klang und ein riesiger TV.
rechts: Im Zeichen der Schönheit zeigt sich diese asiatische Sauna.

Ein jedes Modell ist ein Unikat. Alle Saunen entwirft Erdmann so, wie der Kunde es will. Oft sind das Privatleute, über deren Namen, Eigenheiten und Sonderwünschen der Sauna-Architekt nicht spricht. „Diese Kunden wünschen Diskretion“, sagt Erdmann, und zeigt auf ein Bild, auf dem das größte Einfamilienhaus im Mittelmeerraum zu sehen ist. Es steht in Zypern. Kunden gibt es, die zuerst den Spa-Bereich mit Sauna, Wellness, Bad und Massageräumen planen – und erst danach den Rest des Hauses drumherum bauen lassen.

Worüber Erdmann lieber plaudert, sind Referenzobjekte für die Öffentlichkeit. Etwa über die Backofensauna im Freizeitbad Juramare in Gunzenhausen. Während die Leute bei 90 Grad ihre Leiber entschlacken und schwitzen lassen, backen im Ofen nebenan die Brötchen. Im Spa-Bereich des Dresdener Hilton hat Bernd Erdmann eine Wand aus Sandstein und Bogenelementen, die stark an die benachbarte Frauenkirche erinnern, eingebaut.

Kempinski, Adlon, Hilton, ein 5-Sterne-Hotel in Davos: Die Liste glanzvoller Namen, für die der Weischlitzer fertigt, ist lang. Seit vorigem Jahr steht nun auch der Spa-Bereich im neuen Trainingszentrum für die Fußballer von RB Leipzig auf dem Referenz-Papier. Erdmanns Team baute Saunen, Dampfbad und Infrarot-Kabinen ein. „Wir gehören in der Sauna-Branche zu den Besten“, sagt der Firmenchef – froh, die schweren Anfangsjahre überwunden und elf weiteren Menschen einen Arbeitsplatz geschaffen zu haben. Dazu zählen auch Ehefrau Michaela, die die Buchhaltung macht, Tochter Nicole, einer Industriefachwirtin, und Sohn Johannes, der bei Hellerau in Dresden gelernt und nunmehr als Tischlermeister im Familienbetrieb eigene Ideen und Entwürfe verwirklicht. Dass Erdmann, wie sein Name schon sagt, wahrlich ein Mann ist, der mit beiden Beinen fest auf der Erde steht, will er auch den Vogtländern rüberbringen. „Die Leute hier sollen nicht denken, wir bauen nur Luxus für Reiche. Wir können auch normale Saunen bauen, wollen für die Menschen in dieser Region da sein.“

Um das zu zeigen, ist Bernd Erdmann erstmals auf „Schau auf Design“ dabei, neugierig darauf, Besucher, aber auch andere Aussteller mit findigen Geschäftsideen kennenzulernen. Von einem ganz anderen Bernd Erdmann, einem, den es vor dem erfolgreichen Geschäftsmann gab, wird man vielleicht bald lesen können. Erdmann hat über seine Jugendjahre geschrieben und die Memoiren an einen Verlag geschickt. Er erzählt davon, wie er als junger „Revoluzzer“ mit dem DDR-Regime aneckte, deshalb für ein Jahr im Gefängnis Gräfentonna in Thüringen landete, wie er, ein junger Christ, den Dienst an der Waffe verweigerte, sich stattdessen zu den Bausoldaten meldete und von der Freiheit träumte. Als dann die ersehnte Freiheit kam, war es allerdings aus mit dem Traum einer eigenen Holzbildhauer-Werkstatt, die er sich noch im Vorwendejahr in einer alten Scheune in Weischlitz ertrotzte. „Keiner wollte mehr diese Möbel, die ich herstellte. Alle wollten nur Autos, Waschmaschinen und andere Konsumgüter“, erinnert sich Erdmann – und fährt fort damit, zu erzählen, wie er Ausschau hielt nach einem neuen Betätigungsfeld. Nach dieser und jener Gelegenheitsarbeit lernte er 1993 den Sauna-Bau bei einem Münchener Wellness-Unternehmen von der Pike auf. Und vier Jahre später war Erdmann in Weischlitz sein eigener Arbeitgeber. „Das Leben ist ein Abenteuer“, sagt der Sauna-Mann und meint, das wäre ein guter Titel für sein Buch. Wenn es herauskommt, wird es vielleicht einmal eine Lesung geben. Möglich, dass der Lesungsort eine Sauna sein wird.

Text: Cornelia Henze
Erstveröffentlichung: Vogtland-Anzeiger (Printausgabe vom 15.04.2016)

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